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Klinische Einblicke

Multiple Sklerose (MS) und Mobilität: Wann sind Alternativen nötig?

By Tine DekyvereNo Comments

Multiple Sklerose (MS) und Mobilität: Wann sind Alternativen nötig?

Für viele Menschen mit Multipler Sklerose (MS) gehören Veränderungen der Mobilität zu den spürbarsten Herausforderungen der Erkrankung. Das Gehen kann schwieriger werden, das Gleichgewicht unsicherer, oder die Ermüdung macht selbst vertraute Strecken mühsam.

Doch Unterstützung bei der Mobilität zu brauchen, heißt nicht unbedingt, auf Selbstständigkeit zu verzichten.

Eine Gehhilfe, ein Elektromobil oder ein Rollstuhl kann helfen, Energie zu sparen, sich sicherer fortzubewegen und weiterhin an den Aktivitäten teilzunehmen, die einem wichtig sind. Die entscheidende Frage ist nicht einfach Wann sollte jemand anfangen, ein Hilfsmittel zu nutzen?, sondern: Wann könnte zusätzliche Unterstützung den Alltag erleichtern?

Wie kann MS die Mobilität beeinflussen?

MS betrifft das zentrale Nervensystem, und die Symptome können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Die Mobilität kann daher auf verschiedene Weise beeinträchtigt sein und sich im Lauf der Zeit verändern.

Häufige Faktoren, die Gehen und Bewegung beeinflussen können:

  • Muskelschwäche
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Spastik und Muskelsteifheit
  • Veränderungen der Koordination
  • Sensibilitätsstörungen
  • Sehstörungen
  • Ermüdung (Fatigue)
  • verringerte Ausdauer

Diese Symptome treten nicht unbedingt gemeinsam auf, und ihre Auswirkungen können von Tag zu Tag schwanken. Jemand kann morgens selbstständig gehen und nach einem anstrengenden Tag große Mühe haben.

Diese Schwankungen sind ein wichtiger Punkt bei der Entscheidung, ob zusätzliche Unterstützung sinnvoll sein könnte.

Ermüdung kann genauso wichtig sein wie die Gehfähigkeit

Wenn es um Mobilität und MS geht, steht oft die Frage im Mittelpunkt, ob jemand körperlich gehen kann. Doch auch die Ermüdung kann die Mobilität stark beeinflussen.

Die MS-bedingte Fatigue ist mehr als normale Müdigkeit. Manche Menschen erleben schon nach relativ wenig Aktivität eine überwältigende Erschöpfung, und andere Symptome wie Gleichgewichts- oder Konzentrationsprobleme können bei Müdigkeit stärker werden.

Das kann zu einer schwierigen Situation führen: Eine Person kann eine bestimmte Strecke technisch gesehen gehen, verbraucht dabei aber so viel Energie, dass für den Rest des Tages kaum etwas übrig bleibt.

In dieser Situation kann ein Mobilitätshilfsmittel eine Möglichkeit sein, mit der eigenen Energie hauszuhalten, statt nur eine fehlende Gehfähigkeit auszugleichen. Jemand geht zum Beispiel zu Hause kurze Strecken und nutzt einen Rollstuhl oder ein Elektromobil für ein großes Einkaufszentrum, einen Flughafen oder einen ganzen Tag auf einer Veranstaltung.

Das Ziel ist nicht unbedingt, so viel wie möglich zu gehen, sondern genug Energie für die Dinge zu haben, die wichtig sind.

Wann kann ein Mobilitätshilfsmittel sinnvoll sein?

Es gibt keinen festen Zeitpunkt im Verlauf der MS, ab dem jemand ein Mobilitätshilfsmittel nutzen sollte. Es kann sich lohnen, über zusätzliche Unterstützung nachzudenken, wenn das Gehen den Alltag beeinträchtigt oder zunehmend schwierig oder unsicher wird.

Mögliche Anzeichen sind:

  • beim Gehen häufig anhalten und ausruhen müssen
  • Aktivitäten meiden, weil sie zu viel Gehen erfordern
  • zunehmende Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten
  • wiederholte Stürze oder Beinahe-Stürze
  • deutlich stärkere Ermüdung nach dem Gehen
  • längere Strecken werden immer schwieriger
  • sich an Möbeln oder anderen Menschen festhalten müssen
  • weniger Sicherheit beim Gehen im Freien oder in fremder Umgebung
  • Schwierigkeiten, im Alltag mitzuhalten, wegen eingeschränkter Mobilität

Diese Anzeichen bedeuten nicht automatisch, dass ein bestimmtes Hilfsmittel nötig ist. Sie sind ein Anlass, mit einer geeigneten Fachperson über die Mobilität zu sprechen.

Mobilitätshilfsmittel können Selbstständigkeit unterstützen

Eine häufige Sorge bei Gehhilfen, Elektromobilen oder Rollstühlen ist, dass sie einen Verlust an Selbstständigkeit bedeuten könnten. In der Praxis kann manchmal das Gegenteil der Fall sein.

Die MS Society weist darauf hin, dass viele Menschen mit MS einen Rollstuhl oder ein Elektromobil nur für bestimmte Aktivitäten nutzen, zum Beispiel wegen Fatigue oder Schwäche oder um Energie zu sparen. Viele erleben dadurch eher mehr als weniger Freiheit.

Denken Sie an jemanden, der einen Nachmittag in der Innenstadt verbringen möchte. Die Person kann vielleicht 20 Minuten gehen, ist danach aber erschöpft. Ein Mobilitätshilfsmittel für einen Teil des Tages könnte ihr erlauben, mehr Orte zu besuchen, länger zu bleiben und abends noch Energie zu haben.

Das Hilfsmittel ersetzt das Gehen nicht unbedingt. Es kann es ergänzen.

Welche Unterstützung ist geeignet?

Die richtige Lösung hängt von den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Person ab.

Gehstöcke und andere Gehhilfen

Ein Gehstock oder eine andere Gehhilfe kann manchen Menschen zusätzliche Unterstützung beim Gleichgewicht oder mehr Sicherheit geben.

Wichtig ist, dass das Hilfsmittel zum Bedarf der Person passt und richtig genutzt wird. Eine Physiotherapeutin, ein Physiotherapeut oder eine andere Fachperson kann helfen festzustellen, ob eine bestimmte Gehhilfe geeignet ist und wie man sie sicher nutzt.

Rollatoren

Ein Rollator gibt Halt beim Gehen und ermöglicht oft auch regelmäßige Sitzpausen. Das kann hilfreich sein, wenn jemand noch gehen kann, aber mehr Stabilität braucht oder bei längeren Aktivitäten mit der Ermüdung haushalten möchte.

Elektromobile

Ein Elektromobil (Scooter) ermöglicht elektrische Mobilität, mit der jemand auch über längere Strecken aktiv und selbstständig bleiben kann. Für manche Menschen ist das besonders im Freien hilfreich, oder wenn Gehen zwar möglich, über längere Zeit aber zu anstrengend ist.

Manuelle Rollstühle

Ein manueller Rollstuhl kann je nach Kraft und Bedarf gelegentlich oder regelmäßig genutzt werden. Ihn selbstständig anzutreiben, erfordert jedoch eine ausreichende Funktion des Oberkörpers und kann selbst körperlich anstrengend sein.

Elektrorollstühle

Für Menschen, die einen manuellen Rollstuhl nicht wirksam oder sicher antreiben können, kann ein Elektrorollstuhl mehr Selbstständigkeit bieten.

Die Art der Steuerung wird dann zu einem wichtigen Teil der Beurteilung. Sind Arm- und Handfunktion betroffen, müssen eventuell alternative Steuerungen in Betracht gezogen werden.

Und wenn sich die Arm- und Handfunktion verändert?

MS kann mehr als das Gehen beeinträchtigen. Manche Menschen erleben auch Schwäche, verminderte Koordination oder Veränderungen der motorischen Kontrolle in Armen und Händen. Das wird besonders wichtig, wenn jemand einen Elektrorollstuhl bedienen muss.

Ein Standard-Joystick erfordert ausreichend kontrollierte Hand- und Armbewegungen. Wird das schwierig, kann je nach verbleibenden Fähigkeiten eine alternative Steuerung infrage kommen. Je nach Person können das verschiedene Taster-, Kinn-, Kopf-, Fuß- oder andere alternative Steuerungen sein.

Das wichtige Prinzip ist dasselbe wie bei Mobilitätshilfsmitteln allgemein: bei den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Person beginnen und dann die Technik darauf abstimmen.

Unterstützung muss kein Alles-oder-nichts sein

Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass Mobilität flexibel sein kann. Eine Person muss sich nicht zwischen Gehen und Rollstuhl entscheiden. Sie kann zum Beispiel:

  • zu Hause selbstständig gehen
  • draußen eine Gehhilfe nutzen
  • für längere Spaziergänge einen Rollator nutzen
  • für Aktivitäten außer Haus ein Elektromobil nutzen
  • einen Rollstuhl nutzen, wenn die Ermüdung besonders stark ist

Die passende Kombination kann sich auch von Tag zu Tag ändern. Diese Flexibilität ist bei MS besonders wertvoll, weil Symptome und Energie schwanken können.

Wie sollte die Entscheidung getroffen werden?

Die Wahl eines Mobilitätshilfsmittels sollte eine individuelle Entscheidung sein, idealerweise gemeinsam mit der Person und den beteiligten Fachleuten. Eine sinnvolle Beurteilung betrachtet mehr als Gehgeschwindigkeit oder Strecke. Denken Sie an:

  • Sicherheit: Hat die Person ein erhöhtes Sturzrisiko?
  • Energie: Wie sehr ermüdet das Gehen, und welche Aktivitäten leiden danach darunter?
  • Funktion: Was muss die Person selbstständig tun können?
  • Umgebung: Wird das Hilfsmittel vor allem zu Hause, draußen oder für längere Strecken genutzt?
  • Komfort: Kann die Person das Hilfsmittel ohne unnötige Belastung oder Beschwerden nutzen?
  • Ziele: Welche Aktivitäten möchte die Person weiterhin ausüben?

Diese Fragen verlagern den Blick von „Kann diese Person noch gehen?“ auf eine hilfreichere Frage:

„Welche Unterstützung würde dieser Person ermöglichen, so selbstständig wie möglich am Alltag teilzunehmen?“

Wenn Gehen nicht mehr das einzige Ziel ist

Die Mobilität zu erhalten, bleibt für viele Menschen mit MS wichtig, und regelmäßige körperliche Aktivität kann sich positiv auf Mobilität, Muskelkraft, Stimmung und einige MS-Symptome auswirken. Gleichzeitig bringt es nichts, jedes Mobilitätshilfsmittel als Zeichen des Scheiterns zu sehen.

Manchmal ermöglicht Unterstützung, Energie zu sparen, die körperliche Belastung eines Weges zu verringern oder an Aktivitäten teilzunehmen, die man sonst meiden müsste.

Mobilität sollte daher umfassender verstanden werden als die Fähigkeit, von A nach B zu gehen. Es geht darum, dorthin zu kommen, wo man hinwill, und das zu tun, was man tun möchte.

Alternative Rollstuhlsteuerung bei beeinträchtigter Armfunktion

Für Menschen mit MS, die einen Elektrorollstuhl nutzen, aber eine eingeschränkte Arm- und Handfunktion haben, wird die Wahl der richtigen Steuerung zu einem wichtigen Teil ihrer Selbstständigkeit.

Alternative Steuerungen können andere zuverlässige Bewegungen nutzen, zum Beispiel Kopf- oder Fußbewegungen, je nach den Fähigkeiten der Person.

In diesem Bereich ist auch CoMoveIT tätig. Die Rollstuhlsteuerungen von CoMoveIT sind für Menschen mit komplexen Bewegungsstörungen, einschließlich MS, entwickelt und umfassen Kopf- und Kopf-Fuß-Steuerungen.

Die richtige Lösung hängt immer von der individuellen Beurteilung ab.

Mobilität ist mehr als Gehen

MS kann verändern, wie sich ein Mensch bewegt, muss aber nicht bestimmen, wohin er gehen oder woran er teilhaben kann.

Mobilitätshilfsmittel und alternative Rollstuhlsteuerungen können wertvolle Werkzeuge sein, um sich an veränderte Fähigkeiten anzupassen. Zum richtigen Zeitpunkt und für den richtigen Zweck eingesetzt, können sie helfen, Energie zu sparen, die Sicherheit zu erhöhen und am Alltag beteiligt zu bleiben.

Das Ziel ist nicht, zwischen Gehen und Unterstützung zu wählen. Das Ziel ist, die richtige Unterstützung für die Art zu finden, wie jemand leben möchte und muss.

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