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Klinische Einblicke

Die richtige Rollstuhlsteuerung bei eingeschränkter Armfunktion wählen

By Tine DekyvereNo Comments

Die richtige Rollstuhlsteuerung bei eingeschränkter Armfunktion wählen

Wenn die Arm- oder Handfunktion eingeschränkt ist, kann die Steuerung eines Elektrorollstuhls mit einem Standard-Joystick schwierig oder unmöglich werden. Doch wer keinen herkömmlichen Joystick mehr nutzen kann, muss nicht zwangsläufig auf selbstständige Mobilität verzichten.

Es gibt viele Arten alternativer Rollstuhlsteuerungen, die unterschiedliche Bewegungen und Ansteuerungspunkte nutzen, um einen Elektrorollstuhl zu bedienen. Die Herausforderung besteht darin, die Option zu finden, die zu den Fähigkeiten, Zielen und dem Alltag der Person passt.

Wie wählt man also die richtige Rollstuhlsteuerung für jemanden mit eingeschränkter Armfunktion?

Bei den Fähigkeiten der Person beginnen

Der wichtigste Ausgangspunkt ist nicht die Rollstuhlsteuerung selbst, sondern die Person.

Eingeschränkte Armfunktion kann von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich aussehen. Jemand hat vielleicht kaum Handfunktion, aber eine gute Kopfkontrolle. Eine andere Person hat nutzbare Bewegungen in den Füßen, eine dritte nur eine kleine, aber gleichmäßige Bewegung in einem anderen Körperteil.

Eine gründliche Beurteilung betrachtet deshalb die verbleibenden funktionellen Bewegungen der Person und wie zuverlässig sie diese nutzen kann. Wichtige Fragen sind unter anderem:

  • Welche Bewegungen kann die Person willkürlich ausführen?
  • Wie viel Kraft und Bewegungsumfang hat sie?
  • Kann sie präzise und wiederholbare Bewegungen ausführen?
  • Ist ihre motorische Kontrolle gleichmäßig?
  • Gibt es unwillkürliche Bewegungen oder Schwankungen des Muskeltonus?
  • Wie beeinflusst ihre Haltung die verfügbaren Bewegungen?
  • Könnten sich ihre Fähigkeiten im Lauf der Zeit verändern?
  • Was muss die Person im Alltag mit ihrem Rollstuhl tun?

Diese Faktoren helfen zu bestimmen, welche Art von Steuerung realistisch und auf Dauer tragfähig ist.

Welche Alternativen zum Standard-Joystick gibt es?

Ein Standard-Joystick wird in der Regel mit der Hand bedient und erfordert ausreichend Kraft, Bewegungsumfang und Koordination.

Ist das nicht möglich, kommen verschiedene alternative Ansätze infrage. Je nach Fähigkeiten der Person sind das zum Beispiel:

  • Kinn- oder Lippensteuerungen
  • Kopfsteuerungen
  • Tastersteuerungen
  • Fußsteuerungen
  • spezielle oder Mini-Joysticks
  • andere körpergesteuerte Schnittstellen

Alternative Fahrsteuerungen reichen von relativ einfachen Tastern bis zu ausgefeilten proportionalen Systemen. Die passende Wahl hängt von den motorischen Fähigkeiten der Person und den Funktionen ab, die sie steuern muss.

Ziel ist nicht, die technisch fortschrittlichste Option zu finden, sondern die Steuerung, die die Person sicher, bequem und zuverlässig nutzen kann.

Wann kann eine Kopfsteuerung infrage kommen?

Eine Kopfsteuerung kann besonders für Menschen interessant sein, deren Arm- und Handfunktion nicht ausreicht, die aber eine zuverlässige Kopfbewegung haben.

Kopfgesteuerte Systeme nutzen Sensoren oder Taster rund um den Kopf. Bestimmte Kopfbewegungen werden dann in Befehle für den Elektrorollstuhl umgesetzt.

Etwas Kopfbewegung allein bedeutet aber noch nicht, dass eine Kopfsteuerung geeignet ist. Bei der Beurteilung sollte man Folgendes berücksichtigen:

Bewegungsumfang

Kann die Person ihren Kopf weit genug in die erforderlichen Richtungen bewegen? Manche Systeme erfordern Bewegungen zur Seite, nach vorn oder nach hinten. Der verfügbare Bewegungsumfang muss daher bei der Auswahl und Positionierung der Steuerung berücksichtigt werden.

Präzision

Kann die Person kleine, kontrollierte Bewegungen ausführen? Das wird besonders wichtig beim Fahren auf engem Raum oder bei kleinen Korrekturen.

Gleichmäßigkeit

Lässt sich die Bewegung zuverlässig wiederholen? Eine Bewegung, die bei einer Beurteilung einmal gelingt, eignet sich nicht unbedingt für die wiederholte Nutzung über den ganzen Tag.

Ermüdung

Kann die Person die Bewegung ohne übermäßige körperliche Anstrengung nutzen? Eine Steuerung, die fünf Minuten gut funktioniert, aber stark ermüdet, ist vielleicht keine gute Dauerlösung.

Was, wenn die Person nutzbare Bewegungen in den Füßen hat?

Der Kopf ist nicht der einzige mögliche alternative Ansteuerungspunkt.

Manche Menschen mit eingeschränkter Armfunktion haben auch kontrollierte Bewegungen in einem oder beiden Füßen. Dann kann die Fußeingabe als Alternative zur Kopfsteuerung oder ergänzend dazu genutzt werden.

Die Kombination verschiedener Ansteuerungspunkte kann manchmal die verbleibenden Fähigkeiten der Person besser nutzen. Jemand hat zum Beispiel eine zuverlässige Kopfbewegung und zusätzlich eine kontrollierte Bewegung in einem Fuß, die in die Fahrsteuerung einbezogen werden kann.

Deshalb ist es sinnvoll, alle verfügbaren Bewegungen zu beurteilen, statt im Voraus festzulegen, welcher Körperteil genutzt wird.

Proportionale oder geschaltete Steuerung?

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, wie der Rollstuhl auf die Eingabe der Nutzer reagiert.

Bei einer geschalteten bzw. nicht proportionalen Steuerung entspricht eine Eingabe in der Regel einem festgelegten Befehl. Das Auslösen eines Tasters kann zum Beispiel eine Vorwärtsfahrt mit vorgegebener Geschwindigkeit bewirken.

Bei einer proportionalen Steuerung kann die Eingabe die Bewegung des Rollstuhls stufenloser beeinflussen, was mehr Variation bei Geschwindigkeit oder Richtung ermöglicht.

Keiner der beiden Ansätze ist automatisch für alle Nutzer besser. Nicht proportionale Steuerungen können für Menschen mit eingeschränkter motorischer Kontrolle hilfreich sein, weil sie einfachere Bewegungen erfordern. Proportionale Steuerungen können eine feinere Kontrolle bieten, wenn die Person über ausreichende motorische Fähigkeiten verfügt, um sie wirksam zu nutzen.

Die richtige Wahl hängt von den Fähigkeiten der Person ab und davon, was sie mit ihrem Rollstuhl erreichen muss.

Haltung und Positionierung nicht vergessen

Die Rollstuhlsteuerung lässt sich nicht getrennt von Sitzen und Positionierung betrachten.

Kopf, Arme, Füße und Rumpf einer Person können sich je nach Sitzposition unterschiedlich bewegen. Auch Veränderungen bei Sitzkantelung, Rückenwinkel oder anderen Sitzfunktionen können beeinflussen, wie sie mit einer Steuerung umgeht.

Das ist bei Kopfsteuerungen besonders wichtig. Die Position der Sensoren muss zur natürlichen Kopfhaltung und zu den verfügbaren Bewegungen der Person passen.

Dasselbe gilt für Fußsteuerungen. Die Sensoren müssen so angebracht sein, dass die Person sie zuverlässig auslösen kann, ohne unnötige Anstrengung oder eine unbequeme Haltung.

Ein gutes Steuerungssystem sollte mit der Positionierung der Person arbeiten, statt sie zu zwingen, eine unnatürliche Haltung einzunehmen.

Unwillkürliche Bewegungen und sich verändernde Fähigkeiten berücksichtigen

Manche Menschen haben unwillkürliche Bewegungen, einen schwankenden Muskeltonus oder Bewegungsmuster, die sich je nach Ermüdung, Konzentration oder Umgebung verändern. Diese Faktoren können die Beurteilung komplexer machen.

Eine Steuerung sollte daher nicht nur unter idealen Bedingungen getestet werden. Es hilft zu beobachten, wie die Person zurechtkommt, wenn sie entspannt oder müde ist und verschiedene Aufgaben ausführt.

Auch künftige Veränderungen sollten bedacht werden. Manche Erkrankungen schreiten fort, während Kinder im Lauf der Zeit neue Fähigkeiten und Bewegungsmöglichkeiten entwickeln können. Ein Rollstuhl und seine Steuerung müssen diese Veränderungen eventuell mittragen.

Die Steuerung in realen Situationen testen

Eine Steuerung kann bei einer kurzen klinischen Beurteilung perfekt funktionieren und im Alltag trotzdem schwer zu nutzen sein. Wenn möglich, sollten Tests Situationen einbeziehen, die die tatsächliche Umgebung der Person widerspiegeln. Zum Beispiel:

  • durch enge Stellen fahren
  • um Möbel herum wenden
  • rückwärts fahren
  • an einen Tisch oder Schreibtisch heranfahren
  • sich zwischen anderen Menschen bewegen
  • im Freien fahren
  • kleine Positionskorrekturen vornehmen

Vielleicht muss die Person beim Fahren auch andere Rollstuhlfunktionen nutzen. Auch diese Anforderungen gehören zur gesamten Beurteilung.

Ziel ist nicht nur die Antwort auf „Kann diese Person den Rollstuhl fahren?“. Eine bessere Frage lautet:

„Kann diese Person den Rollstuhl in den Situationen steuern, die ihr wichtig sind?“

Eine praktische Checkliste für die Beurteilung

Bei der Beurteilung einer alternativen Rollstuhlsteuerung kann es helfen, sechs Bereiche zu betrachten:

  1. Bewegung. Welche Körperbewegungen sind verfügbar und zuverlässig?
  2. Kraft und Bewegungsumfang. Wie viel Kraft und Bewegung sind vorhanden?
  3. Motorische Kontrolle. Kann die Person präzise, wiederholbare Bewegungen ausführen?
  4. Positionierung. Lässt sich die Steuerung bequem in ihrer natürlichen Haltung anbringen?
  5. Anforderungen beim Fahren. Welche Bewegungen und Rollstuhlfunktionen müssen selbstständig gesteuert werden?
  6. Alltagsnutzung. Kann die Person die Steuerung in ihrer realen Umgebung sicher und bequem nutzen?

So entsteht ein vollständigeres Bild, als wenn man nur testet, ob jemand einen bestimmten Sensor oder Taster auslösen kann.

Es gibt keine Universallösung

Die Wahl einer Rollstuhlsteuerung für jemanden mit eingeschränkter Armfunktion ist letztlich ein individueller Prozess.

Für die eine Person reicht ein kleiner angepasster Joystick. Eine andere profitiert von einer Kinn-, Taster- oder Fußsteuerung. Für jemanden mit zuverlässiger Kopfbewegung kann ein kopfgesteuertes System ein wirksamer Weg zu selbstständiger Mobilität sein.

Wichtig ist, die Technik an die Fähigkeiten, Ziele und Umgebung der Person anzupassen.

Bei CoMoveIT steht dieses Prinzip im Mittelpunkt der Entwicklung alternativer Rollstuhlsteuerungen. Zu den Lösungen gehören CoMoveIT Flex mit Kopf- und optionaler Fußsteuerung sowie CoMoveIT Drive mit reiner Kopfsteuerung. Beide sind für Nutzer gedacht, die sich nicht auf herkömmliche Arm- und Handsteuerungen verlassen können.

Letztlich ist die richtige Rollstuhlsteuerung nicht unbedingt die komplexeste oder fortschrittlichste Option. Es ist diejenige, die der Person im Alltag die richtige Kombination aus Kontrolle, Komfort, Sicherheit und Selbstständigkeit bietet.

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