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Warum früher Zugang zu Mobilität für die Entwicklung wichtig sein kann

By Tine DekyvereNo Comments

Warum früher Zugang zu Mobilität für die Entwicklung wichtig sein kann

Für die meisten Kinder gehört es ganz selbstverständlich zum Großwerden, sich selbstständig fortbewegen zu lernen. Krabbeln, Laufen und sich auf ein Spielzeug oder einen Elternteil zubewegen öffnen eine Welt voller Entdeckungen und Begegnungen.

Doch was passiert, wenn ein Kind eine erhebliche Mobilitätseinschränkung hat und sich nicht selbstständig bewegen kann?

Für diese Kinder bedeutet Zugang zu Mobilität viel mehr, als von A nach B zu kommen. Sich selbstständig bewegen zu können, kann Gelegenheiten schaffen, zu erkunden, zu spielen, mit anderen in Kontakt zu treten und Entscheidungen zu treffen. Das ist einer der Gründe, warum ein früher Zugang zu elektrischer Mobilität zunehmend als Teil der Kinderrehabilitation in Betracht gezogen wird.

Bewegung ist Teil des kindlichen Lernens

Kinder lernen die Welt nicht nur durch Zuschauen kennen. Sie lernen, indem sie mit ihr interagieren.

Ein Kind, das zu einem Spielzeug krabbeln kann, entscheidet selbst, was es erkunden möchte. Es kann sich einem anderen Kind nähern, in einen anderen Teil des Raums gelangen oder einem Elternteil folgen. Diese Erfahrungen bieten Gelegenheiten für körperliches, kognitives und soziales Lernen. Bei Kindern mit erheblichen Mobilitätseinschränkungen können diese Gelegenheiten fehlen.

Die EMPoWER-Evidenzsynthese, die 89 Studien zu Interventionen mit elektrischer Mobilität bei kleinen Kindern ausgewertet hat, fand starke Belege für eine positive Wirkung auf Bewegung und Mobilität. Sie fand außerdem mäßige Belege für Vorteile in Bezug auf Teilhabe, Spiel und soziale Interaktion.

Das heißt nicht, dass elektrische Mobilität die Entwicklung eines Kindes automatisch verbessert. Die verfügbare Evidenz hat wichtige Grenzen, und die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass mehr hochwertige Forschung nötig ist.

Die Ergebnisse unterstreichen aber ein wichtiges Prinzip:

Selbstständige Bewegung kann Gelegenheiten für Entwicklung schaffen.

Mobilität ist mehr als von A nach B kommen

Bei Erwachsenen wird elektrische Mobilität oft vor allem als Möglichkeit gesehen, selbstständig irgendwohin zu gelangen. Bei einem kleinen Kind kann der Zweck ganz anders sein. Sich fortzubewegen kann selbst Teil des Spiels sein.

Ein Kind kann Mobilität nutzen, um:

  • einen neuen Raum zu erkunden
  • sich zu einem Spielzeug zu bewegen
  • einem anderen Kind zu folgen
  • zu wählen, wo es spielt
  • auf einen Elternteil oder eine Lehrkraft zuzufahren
  • Gegenstände und seine Umgebung zu erkunden
  • an Spielen und Aktivitäten teilzunehmen

Die EMPoWER-Übersicht beschreibt diese beiden Aspekte als unterschiedlich, aber verbunden: Bewegung um ihrer selbst willen und zielgerichtete Mobilität. Beide sind wichtig, doch Bewegung zum Erkunden und Spielen kann in der frühen Entwicklung besonders bedeutsam sein.

Das verändert, wie wir über elektrische Mobilität bei kleinen Kindern denken können. Sie muss nicht unbedingt etwas sein, das ein Kind erst bekommt, wenn es einen Rollstuhl für die tägliche Fortbewegung nutzen soll. Sie kann auch ein Werkzeug sein, um durch Bewegung zu lernen.

Frühe Mobilität kann das Erkunden unterstützen

Erkunden ist einer der offensichtlichsten Vorteile selbstständiger Bewegung.

Stellen Sie sich ein kleines Kind vor, das auf dem Boden sitzt, während andere Kinder um es herum unterwegs sind. Ohne selbstständige Mobilität muss es darauf warten, dass jemand es näher an ein Spielzeug, ein anderes Kind oder einen interessanten Gegenstand bringt.

Mit einem geeigneten elektrischen Mobilitätshilfsmittel kann das Kind diese Entscheidung vielleicht selbst treffen. Die Möglichkeit, selbst zu wählen, wohin es geht, kann die Rolle des Kindes verändern: vom Bewegtwerden zum Sich-selbst-Bewegen.

Die Evidenzsynthese fand Beispiele von Kindern, die elektrische Mobilität nutzten, um zu Freunden zu fahren, Spielbereiche zu erkunden und aktiver an Bewegungsaktivitäten und Spielen teilzunehmen. Das mögen kleine Alltagserlebnisse sein, aber sie können wertvolle Gelegenheiten zum Lernen und zur Teilhabe sein.

Selbstständigkeit beginnt mit kleinen Entscheidungen

Selbstständige Mobilität kann Kindern auch die Gelegenheit geben, eigene Entscheidungen zu treffen:

  • Wohin möchte ich?
  • Womit möchte ich spielen?
  • Zu wem möchte ich hin?
  • Wann möchte ich losfahren?

Diese Entscheidungen mögen einfach erscheinen, doch die Kontrolle darüber kann zum Autonomiegefühl eines Kindes beitragen.

Die verfügbare Evidenz deutet darauf hin, dass elektrische Mobilität Aspekte wie Selbstständigkeit, Autonomie, Wahlfreiheit und Kontrolle unterstützen kann, auch wenn die Belege hierfür begrenzter sind als für Bewegung und Mobilität selbst.

Deshalb sollte das Ziel nicht nur sein, einem Kind die Bedienung eines Elektrorollstuhls beizubringen. Das größere Ziel kann sein, dem Kind Gelegenheiten zu geben, selbstständig auf seine Umgebung einzuwirken.

Auch soziale Interaktion zählt

Mobilität kann beeinflussen, wie Kinder mit den Menschen um sie herum interagieren. Sich auf ein anderes Kind zubewegen zu können, erleichtert es, bei einem Spiel mitzumachen. Sich selbstständig im Klassenzimmer oder auf dem Spielplatz zu bewegen, kann mehr Gelegenheiten für Kontakt mit Gleichaltrigen schaffen.

Die EMPoWER-Übersicht fand mäßige Belege für positive Effekte elektrischer Mobilität auf Teilhabe, Spiel und soziale Interaktion.

Das ist besonders relevant, weil Teilhabe nicht nur körperliche Anwesenheit bedeutet. Ein Kind kann im selben Raum sein wie alle anderen, ohne sich selbstständig nähern, etwas erkunden oder bei einer Aktivität mitmachen zu können. Selbstständige Mobilität kann helfen, diese Lücke zu verkleinern.

Warum warten, bis ein Kind älter ist?

Traditionell wurde elektrische Mobilität oft mit älteren Kindern verbunden, von denen man erwartet, dass sie einen Elektrorollstuhl für die tägliche Fortbewegung nutzen. Das wirft eine wichtige Frage auf:

Muss ein Kind alt genug sein, um einen herkömmlichen Rollstuhl zu brauchen, bevor es von elektrischer Mobilität profitieren kann?

Die aktuelle Evidenz spricht nicht dafür, das Alter allein als entscheidenden Faktor heranzuziehen.

Die EMPoWER-Übersicht kam ausdrücklich zu dem Schluss, dass das Alter nicht das Hauptkriterium für die Entscheidung sein sollte, ob ein Kind Zugang zu elektrischer Mobilität erhält. Im Mittelpunkt sollte vielmehr stehen, ob die Intervention dem Entwicklungsstand entspricht und ob Kind, Ausstattung und Umgebung gut zusammenpassen.

Das bedeutet nicht, dass jedes kleine Kind mit einer Mobilitätseinschränkung einen Elektrorollstuhl bekommen sollte. Es bedeutet, dass das Alter allein ihn nicht automatisch ausschließen sollte.

Fahren lernen braucht Zeit

Ein weiterer Grund, warum früher Zugang wichtig sein kann: Das Steuern eines elektrischen Mobilitätshilfsmittels zu lernen, ist selbst ein Prozess. Kinder brauchen Gelegenheiten, zu üben, auszuprobieren und den Zusammenhang zwischen ihren Handlungen und der Bewegung des Geräts zu verstehen.

Die Evidenz deutet darauf hin, dass Kinder ihre Fahrfähigkeiten durch Erfahrung und Spiel entwickeln können, statt ausschließlich auf ein formales Fahrtraining angewiesen zu sein. Das kann besonders für Kinder mit komplexen motorischen Beeinträchtigungen wichtig sein.

Statt von einem Kind zu erwarten, dass es sofort perfekte Kontrolle zeigt, bevor es Zugang erhält, kann der Prozess auch andersherum laufen: dem Kind eine passende Gelegenheit geben, sich zu bewegen, und dann die Fähigkeiten durch Erfahrung wachsen lassen.

Natürlich müssen Ausstattung, Steuerung und Umgebung gut auf das einzelne Kind abgestimmt sein.

Die richtige Passung ist entscheidend

Früher Zugang bedeutet nicht einfach, so schnell wie möglich einen Elektrorollstuhl bereitzustellen. Die Lösung muss zum Kind passen. Dazu gehört, Folgendes zu berücksichtigen:

  • die körperlichen Fähigkeiten des Kindes
  • kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • verfügbare willkürliche Bewegungen
  • Sitzen und Positionierung
  • die Umgebung des Kindes
  • seine Möglichkeiten zum Üben
  • die Aktivitäten, an denen es teilnehmen möchte
  • die Steuerungsart, die es nutzen kann

Auch die Umgebung spielt eine Rolle. Ein Kind kann ein geeignetes Mobilitätshilfsmittel haben und trotzdem kaum Gelegenheit zu selbstständiger Bewegung, wenn die Umgebung nicht barrierefrei ist oder Erwachsene das Kind immer selbst bewegen, statt es eigenständig erkunden zu lassen.

Die EMPoWER-Übersicht nannte die Passung zwischen Kind, Ausstattung und Umgebung als wichtigen Einflussfaktor auf die Ergebnisse.

Frühe Mobilität ersetzt keine andere Therapie

Elektrische Mobilität sollte nicht als Ersatz für Physiotherapie, Ergotherapie oder andere Formen der Entwicklungsförderung gesehen werden. Sie kann vielmehr ein weiterer Weg sein, Gelegenheiten für Bewegung und Teilhabe zu schaffen.

Ein Kind kann, wo sinnvoll, weiterhin am Stehen, Gehen, an Transfers oder anderen motorischen Fähigkeiten arbeiten. Gleichzeitig kann elektrische Mobilität Zugang zu Bewegung und Erkundung geben, die das Kind durch Gehen nicht selbstständig erreicht.

Das ist eine wichtige Unterscheidung. Ein Kind muss sich nicht zwischen der Entwicklung körperlicher Fähigkeiten und dem Zugang zu selbstständiger Mobilität entscheiden. Beides kann seinen Platz haben.

Wie könnte früher Zugang aussehen?

Es gibt nicht das eine Modell, um elektrische Mobilität einzuführen. Für ein Kind kann es ein elektrisches Mobilitätshilfsmittel sein, das beim Spielen genutzt wird. Für ein anderes kann es bedeuten, das Fahren im Klassenzimmer oder im Therapieraum zu üben.

Auch das Ziel kann sich verändern, während das Kind wächst. In jüngerem Alter kann der Schwerpunkt liegen auf:

  • Bewegung erkunden
  • Ursache und Wirkung
  • Spielen
  • Entscheidungen treffen
  • mit der Umgebung interagieren

Wenn das Kind älter wird, kann Mobilität zunehmend Folgendes unterstützen:

  • sich in der Schule fortbewegen
  • bei Aktivitäten mit Gleichaltrigen mitmachen
  • sich selbstständig im Umfeld bewegen
  • mehr Autonomie im Alltag

Wichtig ist, dass sich die Mobilität gemeinsam mit dem Kind entwickelt.

Selbstständige Mobilität ist eine Chance

Die Evidenz zu früher elektrischer Mobilität ist vielversprechend, doch man sollte nicht überschätzen, was wir wissen. Die EMPoWER-Übersicht fand ermutigende Belege für mehrere Ergebnisse, betonte aber auch, dass die Evidenzbasis insgesamt begrenzt ist und robustere Forschung nötig ist.

Klar ist, dass Bewegung Kindern Chancen bietet:

  • Chancen zum Erkunden.
  • Chancen zum Spielen.
  • Chancen zum Kontakt mit anderen.
  • Chancen, Entscheidungen zu treffen.

Und vielleicht am wichtigsten: die Chance zu erleben, dass das eigene Handeln verändern kann, was um einen herum geschieht.

Für Kinder, die das nicht selbstständig durch Gehen oder andere Formen selbstgesteuerter Bewegung erreichen können, kann eine gut eingeführte elektrische Mobilität helfen, diese Tür zu öffnen.

Bei CoMoveIT ist selbstständige Mobilität besonders für Menschen mit komplexen Bewegungsstörungen wichtig. Die Arbeit des Unternehmens hat ihren Ursprung in Forschung und klinischer Expertise in der Neurorehabilitation, unter anderem in der Arbeit mit Kindern mit Zerebralparese und anderen komplexen Bewegungsstörungen.

Das übergeordnete Prinzip geht über jedes einzelne Gerät hinaus:

Bei Mobilität geht es nicht nur darum, wohin ein Kind gelangen kann. Es geht auch darum, was es unterwegs entdecken, wählen, erleben und woran es teilhaben kann.

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